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    Mallorca – Keine Partyinsel? Das andere Gesicht der Insel

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    Mallorca – Keine Partyinsel? Das andere Gesicht der Insel

    Mallorca. Das 17. Bundesland. Hemmungslose Partys, günstiger All-Inclusive-Urlaub. Und so weiter und so fort. Dieses Gesicht von Mallorca kennen wir in Deutschland so gut, dass es längst ins kollektive Bewusstsein übergegangen ist – Assoziationen, die wir alle haben. Gerade dann, wenn wir noch nie auf Mallorca gewesen sind.

    Dabei sind Orte wie die Playa de Palma und Magaluf geografisch betrachtet nur ein winziger Teil der Insel. Daneben gibt es ein anderes Mallorca: Ein Mallorca, auf dem Menschen Ruhe finden. Hotels, in denen Urlauber ihre Handys in Safes einschließen, um sich für eine Weile von dem Lärm der digitalen Welt abzukoppeln. Orangenhaine, luxuriöse Anwesen, ruhige Kleinstädte – in denen es sehr viel weniger deutsch zugeht als viele denken.

    Aber wie sieht es wirklich aus, dieses andere Mallorca?

    Der Ballermann: Ein kleiner Strand mit großer Wirkung

    Der Ballermann ist eng verknüpft mit der deutschen Geschichte. Mit ihm verbunden ist ein Mythos: Gerade weil dieser Teil der Insel in der Vergangenheit für fast jeden erschwinglich war. Auf der Feiermeile an der Playa de Palma sind alle gleich. Vielleicht auch gleich peinlich. Wer etwa auf YouTube das Wort „Mallorca" eingibt, kann sich durch seitenweise Videos hindurchklicken: Von Spiegel-TV über Reise-Vlogger und Scam-Jäger bis hin zu privaten Feier- und Absturzgeschichten. Es scheint manchmal, als würde die ganze Insel nur aus Schlagerkneipen und Hotelburgen bestehen.

    Das „andere" Mallorca bleibt daneben fast unsichtbar. Und genau darin liegt auch der besondere Reiz. Auswanderer hier lassen oft eine stressige Vergangenheit als Unternehmer oder Topmanagerinnen hinter sich, um auf der Insel Orangen anzubauen oder edle Weine herzustellen. Künstler kommen nach Mallorca, um ihre Batterien wieder aufzuladen. Und der Ballermann?

    Für den Rest der Insel ist die Partymeile nur ein kleiner Ort in der Nähe von Palma.

    Flucht in eine entspanntere Welt

    Sowieso hat sich in den letzten Jahren einiges geändert auf der Insel. Wilde Partys waren während Covid sowieso kaum möglich – und die Insel atmete auf. Gleichzeitig gibt es ein immer größeres Bedürfnis nach einer Flucht aus dem stressigen Alltag. Mallorca mit seinen felsigen Buchten und den sogar im Sommer oft noch verschlafen wirkenden kleinen Städten und Dörfern hat da einiges zu bieten. Der unaufgeregte Charme der Insel ist perfekt, um sich zu entspannen und den Kopf mal so richtig frei zu kriegen.

    Auch das abwechslungsreiche kulinarische Angebot lässt keine Wünsche offen. Restaurants wie die schicke Brasserie Mar de Nudos in Palma, die die mediterrane Küche mit japanischen Einflüssen kombiniert, sind ein Anziehungspunkt für Kenner aus aller Welt. Und auch exklusive Clubs und Beachbars sind hier zu finden, wie etwa das frisch umgebaute BCM in Magaluf.

    Gerade während Corona wurde Mallorca zur „Luxus-Fluchtinsel des internationalen Jetsets", wie der Spiegel berichtet. Dem geht es hier allerdings kaum um große Partys. Gerade die Weitläufigkeit und die unaufgeregte Diskretion der Insel wird geschätzt von Menschen, die hier vor allem eines möchten: Ganz in Ruhe einen exklusiven Urlaub verbringen.

    Müll sammeln mit dem Kajak und Ökosteuern

    Es ist eine Entwicklung, die den Mallorquinern gerade recht kommt. Schließlich hat der Massentourismus hier auch zu Wasserproblemen und einer zunehmenden Umweltverschmutzung geführt. Lokale Initiativen gehen dagegen vor, um die einzigartige Schönheit der spanischen Insel für Einheimische und Besucher zu erhalten. Der deutsche Auswanderer Boris Otto rief in Port de Sóller vor vier Jahren etwa seine eigene Initiative ins Leben. Im Rahmen des Projektes „Clean the Ocean 2020" fährt der ehemalige Friseur aus München seitdem regelmäßig mit seinem knallroten Kajak nach draußen, um gerade verlassene kleine Buchten von Abfall zu säubern. Und befreit dabei auch immer wieder Schildkröten und Rochen, die sich im Plastikmüll verfangen haben. Zusammen mit dem Yachtunternehmer Bonny Lass Charters organisiert er zweimal im Jahr auch spezielle Säuberungsaktionen mit Familien und Kindern.

    Auch von offizieller Seite hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Dazu zählt etwa die 2016 eingeführte Ökosteuer, die dazu verwendet werden soll, Teile der Tourismuseinnahmen in nachhaltige und ökologische Projekte zu reinvestieren. Der Tourismus bleibt nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle. Aber während der Massentourismus sein Limit erreicht hat, möchten die Mallorquiner in Zukunft weniger und besser zahlende Touristen ansprechen.

    Exklusivtourismus auf Mallorca – Eine ökologische Frage?

    Anders als man auf den ersten Blick denken könnte, geht die Gleichung Qualitätstourismus = umweltschonender nicht immer eins zu eins auf. Der Pro-Kopf-Wasserverbrauch am Tag liegt im Luxus-Segment mit 900 Litern fast fünfmal höher als der Durchschnitt, sagt Jaume Adrover von der Protestorganisation „Ohne Grenzen keine Zukunft".

    Die Entwicklung des Luxus-Segmentes von einer ökologischen Perspektive aus erklären zu wollen, wäre zu kurz gegriffen.

    Sie ist nur ein Teil einer Veränderung des Tourismus auf Mallorca, die gerade stattfindet. Während diese Veränderung von den Medien gerne als ein „neuer" Tourismus beschrieben wird, scheint sie im schicken Südwesten der Insel gar nicht als solche wahrgenommen zu werden. Der Partytourismus, der in der Wahrnehmung vieler Deutscher DAS Merkmal von Mallorca ist, erscheint hier schon immer sehr weit weg.

    Mallorcas unbekanntes Gesicht

    Aber wie sieht es überhaupt aus – Mallorcas unbekanntes Gesicht? Wer sind die Menschen, die zwischen Palma und Port d'Andratx luxuriöse Villen mieten und exklusive Cocktailbars besuchen?

    Der Tourismus in diesem Teil der Insel ist ruhiger, individueller und anspruchsvoller. Und gerade weil die Insel bei vielen Deutschen noch immer das Image einer billigen Partyinsel hat, ist er auch viel internationaler. Menschen aus aller Welt werden von dem gehobenen Angebot Mallorcas angezogen. Besuche an den zahlreichen Stränden, Sundowner in edlen Cocktailbars und Shoppingausflüge nach Palma bestimmen das Urlaubsprogramm. Auch der Erwerb von Kunstwerken ist hier gut möglich – im Verhältnis zu der Anzahl der Einwohner soll Palma mehr Kunstgalerien haben als jede andere Stadt in Spanien.

    Yachten, Schönheits-OPs und Filmdrehs

    Yachten und Segelboote werden hier ebenfalls oft gechartert. Gerade in den letzten Jahren haben einige Schulen eröffnet, in denen man in unter einer Woche den Bootsführerschein machen kann – zum Teil sogar in deutscher Sprache. Auch Schönheits-OPs sind immer wieder ein Reisegrund. Und nicht zuletzt ist die Insel mit ihrer guten Anbindung an den Rest Europas gerade für Unternehmer aus dem arabischen Raum ein guter Ausgangspunkt für Treffen mit europäischen Geschäftspartnern.

    Die einmalige mallorquinische Kulisse dient auch immer wieder als Hintergrund für Musikvideos und Filme. Bekannte Filme wie Cloud Atlas, Das Böse unter der Sonne oder A Long Way Down wurden auf der Insel gedreht. Auch für den deutschen Film Rubbeldiekatz mit Matthias Schweighöfer wurde eine Luxusvilla bei Ca'n Picafort angemietet.

    Der neue Tourismus ist gar nicht neu

    Dass nun auch Orte wie der Ballermann ihr Angebot allmählich aufwerten und exklusiver gestalten ist angesichts der vielen Probleme des Massentourismus nicht erstaunlich. Jenseits dieser Orte existiert er aber schon lange: Der exklusive Mallorca-Tourismus. Wie sollte es auch anders sein, auf einer Insel, die so malerisch schön und zugleich so herrlich unaufgeregt ist.

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